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'Absoluter Blödsinn' - 'Gutes Recht'? Diskussion um Länderspiele
19.11.20

'Absoluter Blödsinn' - 'Gutes Recht'? Diskussion um Länderspiele

Durch die vielen Spiele mit ihren Nationalmannschaften stoßen die Akteure der Bundesligisten an ihre Belastungsgrenze – von möglichen COVID-Infektionen mal abgesehen. Bei den Offiziellen herrschen trotzdem unterschiedliche Meinungen über die Sin

O-Töne 1-3: Max Eberl, Sportdirektor Borussia Mönchengladbach- 'Natürlich haben wir eine Extremsituation mit Corona.'- 'Ich maße mir nicht an, mir zu erlauben, meinen Ligabetrieb aufrecht zu erhalten und meine Champions-League-Reisen zu machen, aber dann zu sagen 'alles andere interessiert mich nicht.''- 'Es sollen alle überleben.'O-Töne 4-5: Alexander Rosen, Direktor Profifußball TSG Hoffenheim- 'Dieses dritte Spiel ist absoluter Blödsinn in diesen Zeiten.'- 'Dann muss man manchmal eben auch besondere Entscheidungen treffen.'O-Töne 6-8: Michael Preetz, Geschäftsführer Sport Hertha BSC- 'Die Länderspiele sind überschaubar sinnvoll.'- 'Die Spieler kommen ohne Frage jetzt an ihre Belastungsgrenzen.'- 'Wir sind der Arbeitgeber der Spieler, wir bezahlen die Spieler, und wir müssen jetzt mit diesen Umständen leben.'SID xlk tkWeitere Informationen:Frankfurt/Main (SID) Die Klubs bangen, der Ligaverband wettert: Die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat die Angst vor weiteren Coronafällen als Folge der Länderspiele und den Ärger der Vereine über die Verbände in deutliche Worte gefasst. 'Die derzeitige Situation ist aus Sicht der nationalen Ligen und ihrer Klubs nicht zu akzeptieren', schrieb DFL-Boss Christian Seifert im kicker: 'Es sollte Einigkeit darüber herrschen, dass Länderspiel-Reisen nicht den Spielbetrieb im gesamten Profifußball gefährden dürfen.'Doch obwohl Seifert den Vereinen mit seiner Kritik aus dem Herzen gesprochen hat, muss sein Vorstoß auch als taktisches Manöver eingeordnet werden. Dass der scheidende DFL-Chef ausgerechnet am Ende der Länderspielpause die Sorgen der Klubs aufgreift und ganz in ihrem Sinne die Verbände angreift, kommt sicher nicht von ungefähr. Durch sein Timing schlägt Seifert nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe.Einerseits sind die Vereine zufriedengestellt, andererseits wird die Schelte den Verbänden zum jetzigen Zeitpunkt nicht sonderlich wehtun. Schließlich dauert es bis zur nächsten Abstellungsperiode noch vier Monate. Es wäre etwas anderes gewesen, wenn Seifert seinen Unmut vor der Länderspielpause artikuliert hätte. Das hätte rund um die Partien für mächtig Wirbel gesorgt. Wie groß das Thema Mitte März noch sein wird, weiß dagegen niemand.Genau da sieht Alexander Rosen das Problem. 'Ich begrüße es, dass Christian Seifert in diese Kerbe schlägt. Inhaltlich ist es nichts anderes als das, was ich gesagt habe', äußerte der Sportchef der besonders betroffenen TSG Hoffenheim: 'Ich hätte mir aber gewünscht, dass das Statement früher kommt. Das nächstes Mal ist es im März ein Thema. Das ist jetzt noch so weit weg.'Dennoch erwartet Seifert mit Blick auf die Zukunft trotz seines Verständnisses für 'wirtschaftliche Verpflichtungen und organisatorische Zwänge' mehr Rücksicht auf die Belange der Klubs als Arbeitgeber der Spieler. 'Es ist seitens der Verbände dringend abzuwägen, wie es mit bestimmten Länderspielen weitergehen soll, die sportlich und wirtschaftlich teilweise weniger Relevanz besitzen als beispielsweise die europäischen Klub-Wettbewerbe und erst recht eine EM', sagte der 51-Jährige.Seiferts Forderung steht einer öffentlichen Begründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Durchführung von Länderspielen trotz der Pandemie entgegen. Der Verband stellte die internationalen Begegnungen als wichtigen sportlichen Gradmesser auf dem Weg zur EM-Endrunde 2021 dar und bezeichnete die wirtschaftliche Bedeutung der Einnahmen aus Länderspielen und bindenden Verträgen als 'essenziell'.Essenziell sind auch die Sorgen der Klubs. Schließlich sind neue Coronafälle unvermeidbar, schon am Mittwoch wurden Infektionen bekannt. Betroffen ist vor allem die TSG, die am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im baden-württembergische Derby gegen den VfB Stuttgart antreten muss. Nach dem positiven Test von Sargis Adamjan (27) bei der armenischen Nationalmannschaft befinden sich mittlerweile sieben Profis der Kraichgauer auf der COVID-Liste. Ein Antrag der TSG auf Verschiebung der Partie auf Sonntag wurde von der DFL aber abgelehnt.In Mitleidenschaft sind auch andere Klubs gezogen. Der kroatische Innenverteidiger Marin Pongracic vom VfL Wolfsburg befindet sich nach einer Ansteckung ebenso in Quarantäne wie die Südkoreaner Changhoon Kwon (SC Freiburg) und Hee-Chan Hwang (RB Leipzig). Wer von den zurückkehrenden Profis noch betroffen ist, wird sich schon bald zeigen. Die Spieler werden getestet und isoliert, bis ein Ergebnis vorliegt. Aufgrund der unterschiedlich langen Inkubationszeiten besteht dennoch keine echte Sicherheit.Auch Seifert weiß um die Probleme. Der DFL-Boss sieht in den Länderspielen 'eine schwer kalkulierbare' Komponente: 'Gegen Infektionen während und nach Länderspiel-Reisen kann ein nationales Konzept wenig ausrichten.'SID as tlWeitere Informationen

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