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Antike Stadtfestung in der Türkei muss Staudamm weichen
10.01.19

Antike Stadtfestung in der Türkei muss Staudamm weichen

Hasankeyf ist eine uralte Stadtfestung am Tigris im Südosten der Türkei. In wenigen Monaten wird ein Staudamm das antike Areal unter Wasser setzen. Gegen das Vorhaben regt sich Widerstand.

Hasankeyf ist eine uralte Stadtfestung am Tigris im Südosten der Türkei; Ridvan Ayhan ist in einer dieser Felsenwohnungen aufgewachsen. Doch in wenigen Monaten soll ein Staudamm das antike Areal unter Wasser setzen -Teil des von Präsident Recep Tayipp Erdogan ehrgeizig betriebenen Südostanatolien-Projekts, das der Region zu wirtschaftlichem Aufschwung verhelfen soll. Früher zogen die archäologischen Ausgrabungen Busladungen voller Touristen an, doch seit Beginn der Bauarbeiten ist das vorbei. O-Ton Ridvan Ayhan, engagiert sich gegen das Staudammprojekt:'Dreiviertel der Anlage sind noch gar nicht ausgegraben. Es wird mindestens 30 Jahre dauern, das zu beenden. Wir müssen zuerst die Ausgrabungen fertigstellen, untersuchen, was uns die Geschichte lehren will, und dann können wir prüfen, wie es weitergeht. Wir sollten vorsichtig mit dem Handbesen vorgehen, stattdessen werden Bagger eingesetzt'Die Behörden sind angewiesen, historische Bauten umzusetzen– wie diese Moschee aus dem 14. Jahrhundert.Wie alle anderen Gebäude im Dorf wird auch das Haus dieser Familie bald geflutet. Zum Ausgleich erhalten sie eine Wohnung in einer neuen Siedlung. O-Ton Ahmet Akdeniz, war früher Hirte:'Schauen Sie: ein Haus mit 45 Quadratmetern, ohne Küche oder Badezimmer. Wir schlafen alle in einem Raum. Aber in der neuen Stadt bekommen wir 160 Quadratmeter. Wir können dort in Würde leben. Wir freuen uns darauf, dass die Häuser bald fertig sind.' Hasankeyf wurde schon vor etwa 12.000 Jahren besiedelt. Assyrer, Römer, Seldschuken - sie alle lebten in dem Tal am Tigris. Wenn die 2006 begonnenen Arbeiten am Staudamm beendet sind, wird aus dem Tal ein riesiger, künstlicher See.

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