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Auf dem Weg nach Tokio: Rohdiamant Tiafack will sich durchboxen
02.12.19

Auf dem Weg nach Tokio: Rohdiamant Tiafack will sich durchboxen

Superschwergewichtler Nelvie Tiafack gehört bei den Olympischen Spielen in Tokio zu den größten deutschen Box-Hoffnungen. Der 20-Jährige gilt als Rohdiamant und arbeitet täglich extrem hart für seinen großen Traum.

O-Töne 1-4 Nelvie Tiafack, Superschwergewichtler im Boxen- zum Start seiner Boxkarriere: 'Wir sind zu meiner Mutter gegangen, und sie hat 'ja' gesagt.'- 'Olympia ist das größte Sportevent.'- zu den Olympischen Spielen: 'Dafür reiße ich mir jeden Tag den Arsch auf und gehe zweimal pro Tag zum Training.'- 'Respekt habe ich vor keinem Einzigen, vor keinem einzigen Boxer habe ich Respekt!'SID dp tkWeitere Informationen: Superschwergewichtler Nelvie Tiafack gehört auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio zu den größten deutschen Box-Hoffnungen. Der 20-Jährige gilt als Rohdiamant.Köln (SID) Für den Einstieg ins Boxen benötigte Nelvie Tiafack tatkräftige Unterstützung - denn die eigene Mutter wurde vor dem ersten Training zur größten Gegnerin. 'Wenn ihr meine Mutter überreden könntet, dann komme ich auf jeden Fall mit', sagte Tiafack zu seinen Freunden, die ihn in seiner Heimatstadt Bergheim vom Bolzplatz in die Boxhalle lotsen wollten.Die Freunde hatten beim Kicken längst erkannt, dass ihr Kumpel mit der stattlichen Figur einen guten Faustkämpfer abgeben würde. Sie blieben hartnäckig und sollten Erfolg haben. 'Dann sind wir zu meiner Mutter gegangen, und sie hat 'ja' gesagt', erinnert sich Tiafack im Interview mit dem SID und sprach von einer 'filmreifen Geschichte', die sein Start ins Boxerleben abgegeben habe.Zunächst suchte der 117-Kilo-Koloss sein Glück im Kickboxen, der bei jüngeren Athleten oft populäreren Variante. Doch nach zwei Trainingseinheiten stellte der Hüne fest, dass die Fußtritte nichts für ihn sind und er nur Boxen wollte. Beim Kölner Traditionsverein SC Colonia fand er schließlich den richtigen Einstieg in seinen neuen Sport, mittlerweile wird er von Ex-Boxer Lukas Wilaschek betreut.In den folgenden fünf Jahren hat der heute 20-Jährige mit beachtlichen Erfolgen auf sich aufmerksam gemacht: Deutscher U18-Meister 2015, Deutscher U19-Meister, Bronze bei der Jugend-WM (alles 2016), Kölns Nachwuchssportler des Jahres 2017 und Deutscher U21-Meister 2018. Bilderbuchmäßig - und das machte dann auch die kritische Mama stolz. 'Spätestens als ich meinen ersten Kampf gewonnen habe und aller spätestens als ich deutscher Meister geworden bin, war sie voll überzeugt', erzählt Tiafack.Sehenswerte Vorstellungen zeigte der gebürtige Kameruner im letzten Sommer mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den European Games im weißrussischen Minsk und dem Erreichen des Viertelfinals bei der WM der Amateure in Jekaterinburg/Russland. Alles Gradmesser auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020. 'Ich war mega begeistert von Minsk. Das war schon ein kleines Olympia', schwärmte Tiafack: 'Ich kann mir kaum vorstellen, wie krass dann Olympia in Tokio wird.'Doch der Weg dorthin ist steinig. Zunächst muss er sich bei der nationalen Ausscheidung in Kienbaum (18. bis 22. Dezember) durchsetzen, dann folgen internationale Qualifikationsturniere, im März in London und sechs Wochen später in Paris.Der Verband ist zuversichtlich. 'Aus Sicht unserer Trainer ist er ein Rohdiamant, der gerade in diesem Jahr eine gute Entwicklung genommen hat', sagte Geschäftsführer Michael Müller vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV) dem SID. Unbekümmertheit und Leichtigkeit seien seine Stärken, so Müller.Tiafack will das Vertrauen zurückzahlen. Für die Olympischen Spiele 'reiße ich mir jeden Tag den Arsch auf und gehe zweimal pro Tag zum Training', betonte der von der Sportfördergruppe unterstützte Athlet, der nur so vor Selbstvertrauen strotzt. 'Respekt habe ich vor keinem Einzigen, vor keinem einzigen Boxer habe ich Respekt! Das ist nicht niederträchtig gemeint, es ist einfach so', sagte Tiafack, ganz im Stile seines Vorbildes Mike Tyson: 'Das ist meine Einstellung. Wir respektieren uns, aber Furcht, Ehrfurcht oder Angst habe ich vor keinem.'Und auch über seine Zukunft, sprich dem Sprung vom Amateur- in den Profibereich, braucht sich Tiafack keinerlei Sorgen zu machen. 'Das ist kein Plan. Es ist sicher, dass ich später ins Profilager wechseln werde. Nur wann, das ist die Frage', sagte Tiafack.SID lw ni kd

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