Der Tagesspiegel Video
Aus Nachlass von NS-Arzt: Überreste von Opfern beigesetzt
13.05.19

Aus Nachlass von NS-Arzt: Überreste von Opfern beigesetzt

Mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod sind in Berlin die Überreste von mehreren, im Nazi-Gefängnis Plötzensee ermordeten Menschen beigesetzt worden. Sie waren vom damaligen Charité-Anatomen Hermann Stieve seziert worden. Die nun beigesetzten Objekte

Mehr als 70 Jahren nach dem Tod werden in Berlin die Überreste von mehr als ein Dutzend Menschen bestattet, die von der NS-Justiz hingerichtet wurden. Die Menschen waren zumeist Gegner des NS-Regimes und wurden im Strafgefängnis Plötzensee ermordet. Anschließend wurden viele von ihnen vom Anatomischen Institut der Charité seziert. Die jetzt beigesetzten Objektträger befanden sich im Nachlass des damaligen Anatomie-Chefs Hermann Stieve. Seine Erben wandten sich an Angehörige von Widerstandskämpfern, die in Plötzensee hingerichtet worden waren. O-Ton Saskia von Brockdorff, ihre Mutter wurden ermordet:'Ja, jetzt habe ich einen Ort, der angenehm ist, seelisch angenehm, hierher zu kommen. und nicht mehr zu der Hinrichtungsstätte.'O-Ton Andreas Winkelmann, Anatom:'Die Nazi-Justiz hat diesen Opfern ja ein Grab verweigert. Und das ist auch das, was man dem Anatom Hermann Stieve vorwerfen muss. Er hat quasi ja für seine Forschung mit der Nazi-Justiz kollaboriert. Und die Nazi-Justiz fand das deshalb interessant – nicht, weil sie Stieves Forschung unterstützen wollte, sondern weil das ein Weg war, die Opfer noch einmal zu demütigen.'In Plötzensee wurden mehr als 2800 Menschen durch das Fallbeil oder den Strang ermordet.

schließen