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Ein ganzes Leben für Gold: Ruder-Achter heiß auf Olympia
19.11.19

Ein ganzes Leben für Gold: Ruder-Achter heiß auf Olympia

Der Titel-Hattrick bei der WM ist längst perfekt, doch der Deutschland-Achter hat ein noch größeres Ziel. Bei den Olympischen Spielen in Tokio will die Besatzung um Dauerbrenner Richard Schmidt die Arbeit der vergangenen vier Jahre vergolden.

O-Töne 1, 3 und 6 Richard Schmidt, Deutschland-Achter:- 'Wir hoffen natürlich, dass wir Gold gewinnen. Wir sind Weltmeister geworden. Wir müssen viel richtig machen, damit wir die Benchmark bleiben.'- 'Je näher man hinkommt, desto nervöser wird man.'- 'Natürlich ist Druck da. Nicht nur von außen, man selbst macht sich viel Druck.'O-Töne 2 und 4 Martin Sauer, Steuermann Deutschland-Achter:- 'Alles was wir tun, tun wir für das Ziel Tokio - jeden Tag, jede Minute.'- 'Wir haben das ganzes Leben dafür trainiert, bei diesem Event unsere beste Leistung abzurufen.'O-Töne 5 und 7 Hannes Ocik, Deutschland-Achter:- 'Im Hinblick auf nächstes Jahr brennt die Luft.'- 'Es wäre am Schönsten, als Olympiasieger zurückzukommen.'SID wj tkweitere Informationen:Dortmund (SID) Noch will Martin Sauer keine Abschiedsgefühle zulassen. Zu groß scheint acht Monate vor den Olympischen Spielen die Gefahr, das goldene Ziel aus den Augen zu verlieren. 'Wir haben unser ganzes Leben dafür trainiert', sagte der Steuermann des Deutschland-Achters dem Sport-Informations-Dienst (SID). Doch bei aller Fokussierung, für den Anführer des deutschen Paradebootes sind es auch acht Monate auf der Zielgeraden. Tokio könnte für den 36-Jährigen zum letzten Höhepunkt seiner erfolgreichen Karriere werden.Ähnlich ergeht es seinem 32 Jahre alten Teamkollegen Richard Schmidt. Während Sauer bereits erklärte, er 'werde nicht weitermachen danach', machte der Trierer deutlich, dass er 'definitiv zurückstecken werde. Man wird ja nicht jünger'. So oder so, der Achter verliert wohl nach den Sommerspielen 2020 seine beiden Erfolgsgaranten des vergangenen Jahrzehnts.'Je näher man hinkommt, desto nervöser wird man', gestand Schmidt mit Blick auf das, was im kommenden Jahr in Tokio ansteht: 'Das ist das Größte, was es für einen Sportler gibt.' Und auch Sauer konnte seine Anspannung zuletzt kaum mehr verbergen: 'Jeden Tag, jede Minute ist es das, was man mindestens im Hinterkopf hat.' Die beiden wissen, wovon sie sprechen.Gemeinsam bescherten die beiden dem Deutschen Ruderverband (DRV) den größten Erfolg seiner jüngeren Geschichte - 2012 holten Sauer und Schmidt gleich bei ihrem ersten gemeinsamen Olympia-Auftritt Gold in London. Zuvor hatten sie dreimal in Serie den WM-Titel geholt. Ähnlich machten sie es bei Weltmeisterschaften in den vergangenen drei Jahren - mit dem gleichen Ende in Tokio?Für Sauer werden es jedenfalls bereits die dritten Sommerspiele, für Schmidt, der schon 2008 in Peking im Vierer ohne dabei war, gar die vierten - immer unter Vorbehalt. Trotz aller Erfolge müssen auch sie sich erst für den neuen Achter empfehlen, derzeit im Trainingslager im portugiesischen Avis. Die Entscheidung darüber fällt im Frühjahr. Doch alles andere als eine Berufung der beiden, die in Rio zudem Silber geholt hatten, wäre eine faustdicke Überraschung.Sauer, der 2009 das Steuer übernommen hat, gilt als Perfektionist, der seine Besatzung regelmäßig über die Grenzen treibt. 'Im Training triezt er uns schon', sagte Schmidt. Übel nimmt ihm das keiner. 'Wir wissen alle, dass er es für den maximalen Erfolg macht', sagte Schmidt.Der wiederum wird als zuverlässiger Teamplayer geschätzt. Jahr für Jahr rackerte Schmidt für einen Platz in Deutschlands begehrtestem Boot, Jahr für Jahr wurde das Kraftpaket belohnt. Selbst im DRV kann sich niemand an einen Ruderer erinnern, der so oft den schwierigen Sprung in die Crew des deutschen Flaggschiffs, die sich selbst als FC Bayern des Ruderns bezeichnet, geschafft hat.Ihre Pläne für die Zeit nach Olympia sind allerdings noch offen. 'Ich werde sicher nicht versuchen, dem Rudersport davonzulaufen', sagte Sauer, er werde in Ruhe schauen, wie das Leben weitergeht: 'Da habe ich noch Bock drauf.' Ähnlich sieht es bei Schmidt aus, der sich zunächst auf seine Promotion konzentrieren will, 'und man hat ja auch noch Familie'.Nur eines ist sicher: Einen genauen Plan für den 31. Juli 2020 haben Sauer und Schmidt sehr wohl. Dann nämlich findet auf dem Sea Forest Waterway im Hafen von Tokio das Achter-Finale statt. 'Gold wäre der Wahnsinn', sagte Schmidt.

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