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Jesidin trifft offenbar in Deutschland auf IS-Peiniger
17.08.18

Jesidin trifft offenbar in Deutschland auf IS-Peiniger

2015 flieht die Jesidin Aschwak Hadschi nach Deutschland, nachdem sie im Irak von einem IS-Kämpfer versklavt und vergewaltigt wurde. Doch im beschaulichen Schwäbisch-Gmünd trifft sie ihren früheren Peiniger wieder. Aus Angst verlässt sie Deutsch

Aschwak Hadschi ist 19 Jahre alt. 2015 kommt sie als jesidischer Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland. Im beschaulichen Schwäbisch-Gmünd fühlt sie sich sicher – bis sie in einem Supermarkt ihrem ehemaligen Peiniger begegnet, der sie im Irak als Sex-Sklavin gehalten hatte. O-Ton Aschwak Hadschi, Opfer des IS:'Er sagte, er wüsste, dass ich seit 2015 mit meinem Bruder und meiner Mutter in Deutschland lebe. Er kannte meine Adresse und sonstige Details meines Lebens.'Aus Angst dem Mann ein weiteres Mal zu begegnen, kehrt Aschwak Hadschi kurz darauf in den Irak zurück. An den Ort, an dem sie für 100 Dollar an einen IS-Dschihadisten namens Abu Humam verkauft wurde, der mittlerweile offenbar in Deutschland lebt.O-Ton Aschwak Hadschi, Opfer des IS:'Ich habe den Vorfall der deutschen Polizei erzählt, aber die meinten, er sei genauso ein Mensch wie ich, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist. Sie haben mir eine Telefonnummer gegeben, für den Fall, dass ich ihm nochmal begegne.'Seit März 2018 lebt Aschwak Hadschi nun wieder im Irak. Laut Landeskriminalamt wurden die Ermittlungen in ihrem Fall zwar aufgenommen, könnten jedoch nicht fortgesetzt werden, weil die Zeugin 'für Rückfragen nicht erreichbar' sei und der mutmaßliche Täter bisher nicht hinlänglich identifiziert werden konnte – trotz eines Überwachungsvideos aus dem Supermarkt. Für die 19-jährige ist das unbegreiflich. O-Ton Aschwak Hadschi, Opfer des IS:'Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich fühle. Ich habe den Mann getroffen, der mich vergewaltigt, angegriffen und misshandelt hat. Ich musste mein Land, meine Familie und Verwandten seinetwegen verlassen. Das habe ich alles getan, um ihn zu vergessen. Und dann sehe ich ihn in Europa wieder?! Das ist unfassbar.'

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