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Lepra-Kranke in Madagaskar - von der Gesellschaft ausgeschlossen
28.03.18

Lepra-Kranke in Madagaskar - von der Gesellschaft ausgeschlossen

Lepra-Kranke in Madagaskar werden häufig von ihren Familien verstoßen - aus Angst der Menschen, sich anzustecken. Eine von Nonnen geleitete Einrichtung gibt ihnen ein Zuhause.

Seit zwei Jahren lebt diese Frau in einer Klinik für Lepra-Kranke in Madagaskar. Ihre Angehörigen haben sie seitdem kein einziges Mal besucht. Nach dem Tod ihrer Eltern zwangen ihre Geschwister sie zu gehen.O-Ton Harisoa Marline, an Lepra erkrankt:'Am meisten hat mich nicht die Krankheit belastet, sondern die Tatsache, dass sie mich verstoßen haben. Ich fühle eine Mischung aus Scham, Verwirrung und Angst. Ich kann nicht nach Hause gehen, und wenn ich es doch mache, waschen sie sofort die Polster und Handtücher, wenn ich wieder gehe. Es ist meine Familie, mein eigen Fleisch und Blut, die so mit mir umgeht.'Lepra ist weit weniger ansteckend als von vielen angenommen. Übertragbar ist die Krankheit nur bei häufigem engem Kontakt mit einem Menschen, der nicht behandelt wird. Marlines Ersatzfamilie sind die anderen Patienten und die Nonnen, die die Klinik betreiben.O-Ton Schwester Sabine Ramasinoro, Klinikleiterin:'Wir haben Großväter hier, die noch nie besucht worden sind, sie wollen bis zu ihrem Ende hier bleiben. Die jüngeren Menschen bereiten wir darauf vor, zu ihren Familien zurückzukehren. Sie sind zuhause, sobald die Behandlung beginnt, sie können noch viel in ihrem Leben erreichen.'Die Angst vor dem Stigma führt dazu, dass viele Betroffene sich zu spät in Behandlung begeben. Doch gerade eine frühe Behandlung kann helfen, irreversible Schäden zu verhindern.

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