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Masernimpfdebatte in Deutschland - Epidemie in Madagaskar
18.03.19

Masernimpfdebatte in Deutschland - Epidemie in Madagaskar

In Deutschland und anderen westlichen Ländern werden immer mehr Kinder nicht geimpft, weil ihre Eltern dies nicht wollen. In Madagaskar sterben Kinder, weil die Eltern keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben oder zu arm sind. Im vergange

Diese Frau ist fünf Stunden zu Fuß von ihrem Dorf in Madagaskar gelaufen, um ein Krankenhaus in Antsiranana im Norden zu erreichen. Ihre Tochter ist krank, sie hat Masern. Die Zweijährige wiegt nur gut sechs Kilo. Mangelernährung begünstigt eine Infektion, denn das Immunsystem wird geschwächt. O-Ton Robertine Soa, Mutter:'Wir geben ihr zu essen, wenn sie Hunger hat, aber es ist immer die gleiche Brühe mit Reis. Wir haben nicht genug Geld.'In Deutschland und anderen westlichen Ländern diskutieren immer mehr Eltern, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen oder nicht. Kritiker fürchten Risiken und Nebenwirkungen einer Impfung. Dabei sind Masern extrem ansteckend und potenziell tödlich. Kinder- und Jugendärzte fordern eine Impfpflicht. In Madagaskar sind innerhalb von sechs Monaten fast tausend Menschen gestorben, hier wütet gerade eine Epidemie. Der Grund: Viele Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, oder sie sind zu arm. Auch Unwissen und Aberglaube spielen eine Rolle.O-Ton Catherine, Großmutter einer Erkrankten:'Die Exkremente vom Buckelrind - die muss man aufkochen, die heilen die Masern. Ich glaube nicht, dass es die Masern sind. Wenn meine Enkelin Masern hätte, hätte die Rinde vom Lasa-Lasa-Baum sie geheilt.'Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Durchimpfungsrate von 90 Prozent. In Madagaskar liegt sie bei knapp 60 Prozent. Fast sechs Millionen Impfdosen werden derzeit verteilt. Doch Impfungen wirken nur vorbeugend, heilen können sie nicht. Infiziert sind in Madagaskar bereits 80.000 Menschen.

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