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Meisterkampf: Hitzfeld und Seeler sehen Bayern im Vorteil
11.04.19

Meisterkampf: Hitzfeld und Seeler sehen Bayern im Vorteil

Im Kampf um die Meisterschaft in der Bundesliga schreibt der ehemalige Trainer Ottmar Hitzfeld Borussia Dortmund noch nicht ab. Nach dem 0:5 in München sieht er, genauso wie DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler, die Bayern aber in der Favoritenrolle.

O-Töne 1 und 3 Ottmar Hitzfeld, ehemaliger Trainer Bayern München und Borussia Dortmund- 'Jeder in Deutschland hat sich danach gesehnt, dass es wieder einen Konkurrenzkampf um die Meisterschaft gibt.'- 'Das Momentum spricht für Bayern, aber die nächsten Spiele werden entscheidend sein.'O-Ton 2 Uwe Seeler, Ehrenspielführer Nationalmannschaft- 'Bayern ist cleverer und erfahrener und wird die Saison wahrscheinlich als Meister beenden.'SID xam tkWeitere Informationen:Dortmund/München (SID) Nach so einem 5:0 ist eine gesalzene Trainerdiskussion fast schon Pflicht. Schließlich muss es eine Mannschaft gegeben haben, die von der anderen nach allen Regeln der Kunst vorgeführt wurde. Doch äußerst ungewöhnlich ist die Lage in der Bundesliga: Der Klubchef des FC Bayern zählt nach dem krachenden Kantersieg gegen Borussia Dortmund öffentlich Niko Kovac an - beim hoffnungslos unterlegenen BVB hingegen will von Trainerfehlern niemand etwas wissen.'Wer das Spiel an der Aufstellung oder der Formation festmacht, der hat keine Ahnung von Fußball!', sagte Sportdirektor Michael Zorc nach der Dortmunder Implosion in der Allianz Arena eindringlich. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte nicht weniger intensiv: Trainer Lucien Favre sei 'komplett aus der Haftung'.Die BVB-Vereinsführung schließt die Wagenburg und demonstriert Einigkeit. Anders in München: Für alle überraschend weigerte sich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, ein klares Bekenntnis zu Kovac abzugeben. 'Es gibt für niemanden eine Jobgarantie bei Bayern München. Jeder muss liefern, wer mit dem Druck nicht umgehen kann, ist im falschen Klub', sagte Rummenigge bei Sky Sport News HD.Auf die Frage, ob Kovacs Job gefährdet sei, wenn der siebte Meistertitel in Folge nicht gelänge, entgegnete er: 'Wir werden Meister!' Und als der 63-Jährige die Herbstkrise sinnierte, kamen weitere Aussagen mit Zündstoff. Er kritisierte die von Kovac angewendete Form der Rotation, der Coach habe gar Grundprinzipien außer Kraft gesetzt. Kurzum: 'Da sind einige Dinge in die falsche Richtung gelaufen.'Präsident Uli Hoeneß sah sich nun bemüßigt, Kovac etwas Last von den Schultern zu nehmen. 'Wie soll ich denn mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle?', fragte er am Montag im kicker. Der Vereinspatron betonte, es habe in diesem Meisterspiel 'keine offenen Fragen' gegeben, er gab zu bedenken: 'In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man auf Dauer nicht vernünftig arbeiten.'Auch beim BVB ist die Situation nicht so eindeutig, wie sie klingen mag. Im Gegenteil waren Zorc und Watzke auffällig bemüht, ein Feuer auszutreten, das angeblich gar nicht lodert. Denn der taktikbesessene Favre war 'mit Pauken und Trompeten durch den Meister-TÜV gefallen', wie der kicker unter der Überschrift 'Favres Fehlgriffe' analysierte. Ausgerechnet Lucien Favre, der für seine Akribie berüchtigte 'Nerd': Ihm muss das kollektive Versagen ein Graus gewesen sein.Wie viel davon ist dem Schweizer wirklich anzulasten? Geht es nach Zorc: nichts. 'Hier ging es um ganz andere Sachen. Wir hätten in einer 11-0-0-Formation spielen können und hätten auch 0:5 verloren', sagte er. Dabei hatte es durchaus fragwürdige Entscheidungen gegeben: Lukasz Piszczek kam möglicherweise zu früh zurück, Marco Reus spielte ohne Not - und gegen seinen Willen - in der Spitze. Warum plötzlich Mahmoud Dahoud in der Zentrale auflief, blieb ein Rätsel. Ebenso, warum Mario Götze trotz guter Leistungen auf der Bank saß.Favres Matchplan war ein defensiv-passives 4-3-3, obwohl gerade erst der kleine 1. FC Heidenheim die Anfälligkeit des FC Bayern gnadenlos nachgewiesen hatte. Das gesamte Gefüge hing schief und war dadurch dramatisch instabil.Ab jetzt ist die Hoffnung, dass sich auch Bayern-Trainer Kovac noch mindestens einmal mächtig irrt. Nur in diesem Fall hat der BVB noch eine Titelchance.SID nt mm

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