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Mit Dubceks Wahl begann der 'Prager Frühling'
03.01.18

Mit Dubceks Wahl begann der 'Prager Frühling'

Vor 50 Jahren beginnt in Prag ein einzigartiges Experiment - ein 'Sozialismus mit menschlichem Gesicht'. Gallionsfigur ist Alexander Dubcek, der am 5. Januar 1968 Chef der Kommunistischen Partei in der damaligen Tschechoslowakei wird.

Vor 50 Jahren beginnt in Prag ein einzigartiges Experiment - ein 'Sozialismus mit menschlichem Gesicht'. Gallionsfigur ist Alexander Dubcek, der am 5. Januar 1968 Chef der Kommunistischen Partei in der damaligen Tschechoslowakei wird. Im sogenannten Prager Frühling manifestiert sich ein Freiheitswillen, den Intellektuelle wie Milan Kundera zuvor kundgetan hatten.O-Ton Jirina Siklova, Soziologin und Zeitzeugin:'Dubcek war eher ein Symbol und nicht die Hauptfigur der Bewegung, die wir hier hatten.'Dubcek ersetzt den kommunistischen Hardliner Antonin Nowotny an der Spitze der KP, der indes zunächst weiter als Präsident der Tschechoslowakei amtiert. Der volksnahe Dubcek setzt zaghafte wirtschaftliche Reformen durch, um die chronische Mangelwirtschaft zu beenden. Als Nowotny schließlich über einen Korruptionsskandal in der Armee stürzt, ist kein Halten mehr. Die Zensur wird abgeschafft, neue politische Bewegungen werden ins Leben gerufen. O-Ton Petr Pithart, Zeitzeuge und Politiker:'Die Menschen hatten auf einmal ein Gefühl von Solidarität entdeckt, man könnte sagen, sie waren bereit, etwas zu opfern. Das war zuvor undenkbar.'Doch der Kreml in Moskau ist nicht bereit, soviel Freiheit zu tolerieren und beendet den Prager Frühling abrupt. Panzer des Warschauer Paktes rücken ein, etwa hundert Menschen sterben in den ersten Tagen der Besatzung.Dubcek fällt in Ungnade und muss zurücktreten. Gut 20 Jahre später kehrt er auf die politische Bühne zurück und wird 1989 an der Seite von Vaclav Havel zu einer der wichtigsten Figuren der Samtenen Revolution. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges ist er Parlamentspräsident, 1992 stirbt er bei einem Autounfall.

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