Der Tagesspiegel Video
Nach E-Mail-Enthüllungen: Grindel rechtfertigt Spielortwahl
10.09.18

Nach E-Mail-Enthüllungen: Grindel rechtfertigt Spielortwahl

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Wahl des Standortes für das Länderspiel gegen Peru verteidigt. Der 56-Jährige betonte, dass Sinsheim den Zuschlag nicht aufgrund der Angst vor den Frankfurter Ultras bekommen habe.

O-Töne 1-3 Reinhard Grindel, DFB-Präsident:- 'Im Fußball bleibt nichts geheim. Das muss man hinnehmen, schön ist es aber nicht. Meine Bedenken waren nicht entscheidend.'- 'Wir haben in einer Präsidiumssitzung festgelegt, dass wir in Sinsheim spielen werden.'- 'Wir wollten ein Stadion, dass wir gegen Peru vollmachen können. Wir haben keine Vorbehalte gegen Eintracht Frankfurt.'SID xjw tkWeitere Informationen:Sinsheim (SID) Keine drei Wochen vor der Vergabe der EM 2024 sorgt ein interner Mail-Verkehr zwischen DFB-Präsident Reinhard Grindel und seinem Vize Rainer Koch für Unruhe im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Fanszene. In den vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlichten Schreiben soll Grindel die Verlegung des eigentlich in Frankfurt geplanten Länderspiels gegen Peru nach Sinsheim gefordert haben - wegen der angeblichen Gefahr eines 'Infernos' durch Ultras des Bundesligisten Eintracht Frankfurt.Weil diese immer wieder negativ aufgefallen waren, habe Grindel weitere Zwischenfälle befürchtet. Vor dem Hintergrund der Vergabe der EM 2024 am 27. September, um die sich neben der Türkei auch der DFB bewirbt, habe der frühere Bundestagsabgeordnete so offenbar eine mögliche Imageschädigung verhindern wollen.Grindel betonte am Sonntag, dass der Standort Sinsheim auf einer Präsidiumssitzung festgelegt worden sei, 'weil wir dort die Hoffnung gehabt haben, ein volles Stadion, eine gute Stimmung zu haben. Alles andere sind interne Diskussionen, die völlig berechtigt sind.' Die Echtheit der 'geleakten' Emails wurde vom DFB nicht angezweifelt.Die Entscheidung für Sinsheim habe 'überhaupt nichts damit zu tun, dass es Vorbehalte gegen Eintracht Frankfurt gibt', ergänzte Grindel und stellte der Stadt am Main ein Qualifikationsspiel für die EM 2020 im kommenden Jahr in Aussicht: 'Da wird alles schiedlich-friedlich ablaufen.'Die Frankfurter Fans reagierten erbost. 'Kein ernstzunehmender Fanvertreter kann mit einem Verband unter diesem Präsidenten auch nur ein weiteres Wort wechseln! Dieser Mann war und ist untragbar!', schrieb der Nordwestkurve-Rat. Grindels 'Panik' sei 'völlig realitätsfern'.Die Eintracht teilte auf SID-Anfrage mit 'keinen Zweifel' an der Versicherung des DFB zu haben was die Begründung des Austragungsortes für das Länderspiel betrifft. 'Was jedoch irritierend und daher auch erklärungsbedürftig ist, ist dass in den Mails vom Verhalten der Eintracht geschrieben wird', sagte ein Klub-Sprecher.DFB-Vizepräsident Rainer Koch sagte bei Sky Sport News HD: 'Das Länderspiel ist nie verlegt worden.' Er verwies auf eine 'grundsätzliche Reihenfolge, in der in etwa die großen Stadien in Deutschland zum Einsatz kommen'. Das bislang letzte Länderspiel am DFB-Standort Frankfurt wurde am 4. September 2015 gegen Polen (3:1) in der EM-Qualifikation ausgetragen. Seitdem hatte die DFB-Elf 17 Heimspiele in 15 verschiedenen Städten. Berlin und München hatten je zwei Länderspiele.Der Spiegel zitierte Grindel aus der Email von Ende Februar: 'Ich halte das Risiko, dass wir bei dem Länderspiel ein Desaster erleben und dies kurz vor der Euro-Vergabe negative Auswirkungen hat, einfach für zu hoch, weil für mich die Frankfurter Ultraszene viel zu unberechenbar ist.'Koch habe Grindel in seiner Antwort zunächst widersprochen - aus Furcht, es könne noch mehr Ärger geben, wenn der Öffentlichkeit bekannt werde, 'dass wir Frankfurt abgelehnt haben, obwohl Frankfurt jetzt in der Abfolge der Länderspielstandorte klar an der Reihe ist'.Grindel fand es 'nicht schön', dass der Spiegel aus dem internen Mailverkehr vor der Präsidiumssitzung zitiert habe, 'aber es ist auch nichts Dramatisches'. Koch sprach von 'strafbarem Verhalten'.Die Partie in der Wirsol Rhein-Neckar-Arena war wie vom DFB erhofft mit 25.494 Zuschauern ausverkauft. 'Es ist generell eine Überlegung bei uns, mit Freundschaftsspielen in kleinere Stadien zu gehen', sagte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff im Aktuellen Sportstudio des ZDF.SID mj om

schließen