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Polen verbannt sozialistische Denkmäler
15.05.18

Polen verbannt sozialistische Denkmäler

Die nationalkonservative polnische Regierung hat sich vorgenommen, mehrere hundert Denkmäler aus sozialistischen Zeiten im ganzen Land abzureißen. Doch viele Polen sehen die einstigen Symbole aus der Ostblock-Ära heute mit sentimentalen Gefühlen

70 Jahre lang stand dieses Denkmal für die Rote Armee auf einem zentralen Platz in der polnischen Stadt Legnica. Heute fristet es ein trauriges Dasein in einem Lagerhaus. 300 dieser Monumente will die nationalkonservative polnische Regierung beseitigen, um symbolisch den Sozialismus zu Grabe zu tragen.O-Ton Maciej Korkuć, Institut für Nationale Erinnerung:'In Polen gibt es keinen Platz für Standbilder von Hitler oder Stalin. Vielleicht werden die in anderen Ländern oder auf anderen Kontinenten verehrt, aber nur, weil diese Länder keine Erfahrung mit den Völkermorden der Nazis und der Stalinisten haben. Wir aber schon.'Prominentestes Überbleibsel aus stalinistischen Zeiten ist der Kulturpalast in Warschau. Standbilder zu Ehren der Roten Armee, Obelisken und Panzer stehen im ganzen Land. Manche Polen sehen sie heute mit sentimentalen Gefühlen.O-Ton Mateusz Jablonski, wohnt in Malbork:'Der stand schon immer hier. Als Kinder haben wir hier Fangen oder Verstecken gespielt. Es hat nie jemanden gestört.'Die polnische Regierung stellt derweil lieber neue Denkmäler auf. Dieses hier wurde unlängst in Warschau enthüllt. Es ehrt die 96 Todesopfer des Flugzeugabsturzes bei Smolensk im Jahr 2010. An Bord war damals auch Staatspräsident Lech Kaczynski. Sein Zwillingsbruder Jaroslaw gilt heute als Strippenzieher der polnischen Politik.

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