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Raus aus der DDR – Berlins letzte Fluchttunnel
11.12.17

Raus aus der DDR – Berlins letzte Fluchttunnel

Am 13. August 1961 wurde inmitten Berlins über Nacht eine riesige Mauer hochgezogen. Sie trennte fortan die DDR und den Westen. Erst versuchten einige, mit gefälschten Pässen aus der DDR zu flüchten. Später begannen die Menschen, Tunnel zu grabe

Am 13. August 1961 wurde inmitten Berlins über Nacht eine riesige Mauer hochgezogen. Sie trennte fortan die DDR und den Westen. Erst versuchten einige, mit gefälschten Pässen aus der DDR zu flüchten. Doch bald schaute der Staat genauer hin und die Fluchtwilligen mussten sich etwas anderes einfallen lassen. So begannen die Menschen, Tunnel zu graben. Einer der letzten DDR-Fluchttunnel wurde vor kurzem in Berlin wiederentdeckt. An ihm mitgegraben hat Hasso Herschel. O-Ton Hasso Herschel, Fluchthelfer, 9sec:'Und da haben wir Glück gehabt mit diesem ersten Tunnel und 27 am ersten Abend durchgeholt – alle, die wir wollten: meine Schwester, mein Schwager meine Nichte.'Am nächsten Tag holten sie noch zwei mehr dazu.O-Ton Hasso Herschel, Fluchthelfer:'Die mussten dann aber schon die Luft anhalten an zwei, drei Stellen, weil das Wasser so hoch stand.'Bekannt sind 75 Tunnelprojekte, durch die geschätzt mehr als 300 Menschen in den Westen gekommen sind. Nach dem ersten Tunnel gräbt Herschel zusammen mit anderen Helfern weiter.O-Ton Hasso Herschel, Fluchthelfer:' Das war ja alles freiwillig. Viel Hass im Bauch und die große Hoffnung, dass das klappt.'Herschels zweiter Tunnel scheiterte. 1962 wurde eine Spezialeinheit der Grenztruppen eingeführt, die darauf ausgebildet war, Tunnel zu finden. 1970 wurden feste Tunnelortungssysteme entwickelt. Gegen diese hatten die Fluchthelfer keine Chance.O-Ton Dietmar Arnold, Berliner Unterwelten:'Die Grenztruppen sind dann mit einem Bagger gekommen, haben den Tunnel aufgegraben und dann wurde der entweder mit Wasser geflutet oder er wurde mit Beton vollgekippt oder komplett aufgegraben und dann wieder verfüllt.'Die Strafen für entdeckte Flüchtlinge waren sehr hoch, teils bis zu zehn Jahre Haft. Der Verein 'Berliner Unterwelten' dokumentiert und erforscht den Untergrund der Hauptstadt. Den wiederentdeckten Fluchttunnel von Hasso Herschel wollen sie ab 2018 dem Publikum präsentieren.

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