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Trainerin Wübbenhorst: 'Die Jungs nennen mich Coach'
21.02.19

Trainerin Wübbenhorst: 'Die Jungs nennen mich Coach'

Imke Wübbenhorst sieht als erste weibliche Trainerin in der Oberliga keine Probleme mit dem Umgang ihrer männlichen Mannschaft. Abgesehen von den kürzeren Duschzeiten kann sie keinen Unterschied zum Frauenfußball erkennen.

O-Töne 1-5 Imke Wübbenhorst, Trainerin BV Cloppenburg (Männer)'Das war die erste Frage, die die Jungs hatten: Wie können wir dich ansprechen?''Die Jungs nennen mich Coach.''Am Anfang haben sie sich noch mehr zurückgenommen, als sie es sonst schon hätten.''Spaß muss auch mal sein.''Sie brauchen nicht so lange beim duschen, aber sonst kann ich keine Unterschiede feststellen.'SID xam jdWeitere Informationen:Cloppenburg (SID) Imke Wübbenhorst steht im fahlen Scheinwerferlicht der Sportanlage an der Westerlandstraße in Cloppenburg. Sie pfeift auf zwei Fingern, ihr Markenzeichen. Dann folgt Klartext. 'Mach nicht so einen Scheiß. Nimm den Ball vernünftig an', brüllt Wübbenhorst mit ihrer Reibeisen-Stimme quer über den Platz. 'Vernünftige Bälle', fordert sie, und: 'Passschärfe!'Es ist kurz vor acht Uhr am Abend. Das Training bei den Fünftliga-Fußballern des BV Cloppenburg neigt sich dem Ende entgegen - und Imke Wübbenhorst ist voll in ihrem Element. Sie unterbricht immer wieder die Einheit, verschiebt einzelne Spieler und gibt präzise Anweisungen: Vor ihrer viel beachteten Pflichtspiel-Premiere als erste Trainerin im leistungsbezogenen Männerfußball am Sonntag will sie nichts dem Zufall überlassen.Ein bisschen aufgeregt, sagt die 30-jährige Wübbenhorst, sei sie schon. Den Trainerwunsch habe sie schließlich schon als kleines Mädchen 'in mein Poesie-Album geschrieben'. Doch nervös ist sie nicht. Wübbenhorst, frühere Junioren-Europameisterin mit den DFB-Frauen und langjährige Bundesligaspielerin, weiß, was sie kann. Und was sie will. 'Ich möchte zeigen, dass Autorität nicht vom Geschlecht abhängig ist, sondern eine Frage der Trainerqualität und Persönlichkeit ist', sagte die gebürtige Auricherin im SID-Interview.Auch wenn die Aufgabe beim finanziell und personell arg gebeutelten Tabellenletzten der Oberliga Niedersachsen einem Himmelfahrtskommando gleicht (Großsponsor und Leistungsträger abgesprungen, 11 Spieler unter 20), wünscht sich Wübbenhorst eine faire Beurteilung. Das kurz vor dem Jahreswechsel begonnene Engagement bei ihrem Heimatverein sieht sie als Chance. 'Es wäre schön, wenn durch mein Wirken rumkommt, dass auch Frauen Männer trainieren können. Ich möchte, dass andere Vereine die Angst verlieren, solch einen Schritt zu gehen', sagte sie.Die fachlichen Qualitäten von A-Lizenz-Inhaberin Wübbenhorst, die Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann ein Vorbild nennt, und auch ihr Fleiß sind unbestritten. Jeden Tag nach der Schule wälzt die verbeamtete Gymnasiallehrerin in Vollzeit Fachliteratur, schneidet auf ihrem Laptop Spielszenen zusammen und bereitet am Taktikbrett das abendliche Training vor. In ihrer kleinen Wohnung, einen Steinwurf vom Stadion entfernt, hat sie sich eigens ein Fußballzimmer eingerichtet. Die Vorbereitung des Schulunterrichts erledigt sie nicht selten in der Nacht.'Man spürt, dass sie richtig Ahnung hat von Fußball', sagt Cloppenburgs Kapitän Kristian Westerveld, einer von den wenigen erfahrenen Stützen im Team. 'Natürlich ist die Fußballwelt eine Männerwelt. Aber ich glaube, dass es kein Problem ist. Sie hat die Qualität, arbeitet viel und ist mit Begeisterung dabei.'Wübbenhorst, das spürt man schnell, hat sich nach zwei Jahren als Frauentrainerin im Klub im neuen Umfeld Männerfußball in Rekordzeit akklimatisiert. Vorm Training ist sie stets die erste, schlägt mit jedem Spieler ab und bespricht sich ausgiebig mit ihrem Co-Trainer.Die Zeit des Beschnupperns ist nach acht Wochen im Training vorbei. 'Inzwischen kriegen die Jungs auch mal einen zwischen die Hörner und es knallt auch mal ordentlich', sagt Wübbenhorst. Sie betont aber, dass es 'keinen Unterschied' im Umgang mit Männern oder Frauen gebe: 'Die Arbeit auf dem Platz ist die gleiche.'Ohnehin kann Wübbenhorst das ganze Bohei um ihre Person nicht ganz nachvollziehen. Sie findet es 'erstaunlich, dass man es einer Frau nicht zutraut, eine Männermannschaft zu trainieren'. Es sei 'komisch, dass in der kompletten Gesellschaft ein Umdenken stattfindet und viele Menschen mittlerweile kein Problem mehr mit beispielsweise Homosexualität oder andersfarbigen Menschen haben, aber dass es gerade in der Männerdomäne Fußball noch ein Riesenproblem ist, sich für Frauen zu öffnen'. Beim Blick in andere Bereiche - ob ins Krankenhaus oder in die Politik, wo Angela Merkel seit Jahren regiert - könne sie sich 'nicht erklären, warum es im Fußball so lange dauert'.Und so leistet Wübbenhorst, unabhängig vom sportlichen Erfolg ihrer Nichtabstiegsmission, wertvolle Pionierarbeit, ihr Wirken könnte beispielgebend sein. Wenn die Leute erkennen, 'dass sich ein guter Trainer nicht nur durch das Geschlecht definiert', sagt Wübbenhorst, 'sondern durch Qualität und damit, dass die Spieler einem den Respekt gegenüber bringen, weil es auf dem Platz funktioniert, die Trainingseinheiten Sinn machen und gute Hilfen gegeben werden, dann würde ich das schon als Pionierarbeit definieren.'Ob die Zeit für Frauen in der Männerdomäne Fußball nun reif sei? 'Wenn man mit der G

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