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Umerziehung für IS-Jugendliche
28.05.18

Umerziehung für IS-Jugendliche

In der Kurdenregion im Norden Syriens haben die Behörden eine Wiedereingliederungseinrichtung für Kinder und Jugendliche eröffnet, die früher der Miliz Islamischer Staat angehörten. Die Behörden setzen darauf, sie durch Umerziehung vom Dschihad

Auf den ersten Blick sieht diese Einrichtung im Nordosten Syriens aus wie eine normale Schule. Doch alle 80 Schüler hier gehörten früher der Miliz Islamischer Staat an. Einige wurden als Kinder von den Dschihadisten angeworben, andere zum bewaffneten Kampf gezwungen. Wieder andere sind die Sprösslinge von IS-Größen. Viele Jugendliche wurden für ihre Taten zu Haftstrafen verurteilt. Doch die Behörden in der Kurdenregion setzen darauf, sie durch Umerziehung vom Dschihad abzubringen. Führen sie sich gut, wird ihnen ein Großteil der Strafe erlassen. Für den 17-jährigen Yilmaz, der aus der Türkei stammt, war die Schule ein Kulturschock. Schließlich gibt es hier Musik, und die Direktorinnen sind zwei Frauen ohne Kopftuch. Zu seinem Schutz wurde seine Stimme verfremdet. O-Ton Yilmaz, Schüler (ohne Bauchbinde):'Ich will zurück nach Hause. Da kann ich Sport machen. Das mache ich am liebsten. Vor allem Volleyball. Ich hatte keine Kindheit. Ich habe mehr als zweieinhalb Jahre in Syrien verbracht. Ich will nach Hause und meine Kindheit nachholen.'Wie Yilmaz sind viele Schüler Ausländer. O-Ton Lukman Ibrahim, kurdische Justizverwaltung:'Wir hätten nichts dagegen, wenn die Heimatländer ihre Bürger auch wieder zurücknehmen wollten. Es müsste eine Übereinkunft geben zur Übergabe dieser Kriminellen.'Doch die meisten Herkunftsländer haben keinerlei Interesse daran, die kriminellen Jugendlichen zurückzunehmen. Ob die Umerziehung fruchtet, ist noch unklar. Schließlich gibt es die Schule erst seit einem Jahr.

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